SUSANN ATWELL ÜBER WEIBLICHKEIT, DAS BILD DER HEUTIGEN FRAU UND IHRE ERFAHRUNG ALS MUTTER

 

 

Susann Atwell ist eine deutsche Fernsehmoderatorin. Sie wurde mit ihrer eigenen Fernsehsendung SAM bekannt, und moderierte neben diversen anderen Boulevardsendungen den Deutschen Filmpreis und die Oscaverleihung. Aktuell moderiert Susann die Sendung „Maintower“ beim Hessischen Rundfunk und ist Mitgründerin der PR Agentur Atwell Geyer PR.

 

Susann's faszinierende Persönlichkeit verzaubert ab der ersten Sekunde. Trotz ihrer mentalen Stärke strahlt sie sehr viel Wärme und Herzlichkeit aus. Diese einzigartige Mischung aus Kraft und Zerbrechlichkeit wirkt sehr weiblich. Susann ist eine besondere Frau und ihre magische Ausstrahlung wirkt sehr inspirierend. 

 

Wir besuchen Susann in ihrem neuen Büro und sprechen über Weiblichkeit, das Bild der heutigen Frau und ihre Erfahrung als Mutter. 

 

Bist du gern eine Frau?

 

Ja, ich bin sehr gerne eine Frau. Aber ich muss sagen, je älter ich werde, desto lieber bin ich eine Frau. Ich mache mir mehr Gedanken darüber - was bedeutet es, eine Frau zu sein?

 

Was bedeutet für dich Weiblichkeit? Könntest du bitte „Weiblichkeit“ in drei Worten beschreiben?

 

Oh! Das ist eine Herausforderung. Ich würde sagen: Weichheit, aber als etwas Positives. Wärme und Intuition. Das sind drei Wörter, die mir spontan einfallen. 

 

Die Weiblichkeit wird heutzutage als etwas Negatives empfunden. Warum müssen wir Frauen immer beweisen, dass wir stark sind? Was bedeutet für dich der Begriff „starke Frau“?

 

Wenn Frau, oder überhaupt ein Mensch, aus welchen Gründen auch immer, schwach ist, wird er schnell zu einem Opfer. Und das wollen wir natürlich nicht sein. Das Leben einer Frau ist sehr anspruchsvoll geworden. Weil wir ja nicht nur die typisch weiblichen Lebensaufgaben meistern müssen, sondern auch oftmals solche Aufgaben, die man früher den Männern zugeschrieben hat. Und so sind unsere Leben mit Sicherheit aufregender, aber auch komplexer geworden. Um das alles zu bewältigen, muss man eine starke Frau sein, denkt die Gesellschaft. 

 

Die Frau hat sich viele Rollen bzw. Aufgaben aufgebürdet. Auf der einen Seite ist sie z.B. die Karrierefrau, dabei muss sie mit einem Mann mithalten. Auf der anderen Seite hat sie weiterhin ihre weiblichen Pflichten, von denen sie niemand befreien wird. Wie zum Beispiel Mutter sein. Meinst du, die Frau kann all diesen Aufgaben gerecht werden und dabei glücklich sein?

 

Die Frauen sind mental viel stärker als Männer, und mentale Stärke ist Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite ermöglicht es uns vieles. Auf der anderen Seite ist es eben auch eine Bürde. Weil wir eigentlich alles können, was die Männer können. Nur alles zu machen, wird irgendwann auch mal anstrengend. 

 

 

Braucht der Mann so eine starke Frau an seiner Seite?

 

Wir entwickeln uns ja alle weiter, der Mensch unterliegt der Evolution weiterhin. Die Natur versucht natürlich das Beste aus uns allen zu machen, und wir müssen uns alle weiterentwickeln. 

Die Frauen werden immer besser, und auch die Männer müssen sich weiterentwickeln. Die haben die Frauen Jahrtausende unterdrückt und sich alle möglichen Sachen ausgedacht, um Frauen kleinzuhalten. Und jetzt funktioniert es nicht mehr.

Es gibt auch genug Männer der jüngeren Generation, für die das Thema „Gleichberechtigung“ überhaupt gar kein Thema ist und die auch eine starke Frau wollen.

 

Mutterschaft ist ein Teil der Weiblichkeit, die Frau verändert sich sehr stark dadurch. Wie war deine Erfahrung? Wie hast du es empfunden?

 

Mein ganzes Leben hat sich dadurch verändert. Das ist ein sehr großer Eingriff in die eigene Wahrnehmung und die eigene Persönlichkeit. In dem Moment, als ich Mutter wurde, habe ich mich nicht mehr nach dem Sinn des Lebens gefragt. Mir war klar, ich habe meine Bestimmung erfüllt. Es klingt jetzt vielleicht ein wenig platt, aber ich empfinde es tatsächlich so. Und am meisten geprägt und fasziniert haben mich diese überwältigenden und starken Gefühle, die schlagartig da waren. Wie man einen völlig fremden Menschen, den man noch nie vorher gesehen hat, plötzlich so bedingungslos lieben kann. Und die große Verantwortung, die man so extrem empfindet. Man weiß zwar vorher, dass man die Verantwortung für das Kind hat, man versteht es aber erst, wenn man das Kind in den Armen hält. Der Wunsch, dein Kind zu beschützen, wird plötzlich sehr stark. Das habe ich mir vorher so nicht vorstellen können. Es ist etwas ganz Archaisches und etwas ganz Intensives. Und das hat mich als Frau völlig neu definiert. 

Ich finde, dass die Mutterrolle für mich die wichtigste Rolle ist, die ich gut erfüllen möchte, ohne mich dabei selbst völlig aufzugeben. Ich finde, nur wenn die Frau als Person mit sich selbst im Reinen ist, kann sie eine gute Mutter werden. Deshalb ist es nicht richtig, sich in der Mutterrolle aufzugeben. Obwohl es sehr verlockend ist, weil man so gebraucht wird.

 

Du bist die Mutter von zwei Töchtern, worauf achtest du bei der Erziehung deiner Töchter? Sie sind zukünftige Frauen, zukünftige Mütter, was ist dir dabei besonders wichtig?

 

Für mich ist es wichtig, dass sie selbstbewusste und selbstbestimmte Frauen werden. Ich selbst bin in einer klassischen Familie mit der klaren Rollenverteilung aufgewachsen. Manchmal wurde mir auch erzählt, was ein Mädchen nicht machen darf oder was eine Frau besser machen kann als ein Mann, wie zum Beispiel Staubsaugen. Dagegen habe ich mich immer gewehrt. Mir ist es wichtig, dass meine Töchter sich nicht einschüchtern lassen. Die Kinder lernen sehr viel nonverbal von ihren Eltern. Und da ich eine sehr autarke und selbstbewusste Frau bin, habe ich keine große Angst, dass das nicht funktioniert. Selbstbestimmt zu leben, finde ich ganz wichtig. Wir leben nur einmal. Und ich finde es sehr wichtig, dass wir auf der einen Seite verantwortungsbewusst leben. Auf der anderen Seite uns aber fragen: Was will ich denn eigentlich? Was ist wichtig für mich? 

 

 

Der Begriff „Gender Mainstreaming“ – was verstehst du darunter?  

 

Mit dem Begriff habe ich mich noch gar nicht befasst, aber es scheint ein komplexes und spannendes Thema zu sein…

 

Genderforscher wollen uns einreden, dass die Geschlechter Stereotypen seien, die den Kindern anerzogen werden. Laut ihrer Theorie gibt es keine Polarität mehr zwischen den Geschlechtern: Mann und Frau sind gleich, und der biologische Unterschied ist völlig unbedeutend. Wie siehst du das? 

 

Die Gleichberechtigung finde ich als Fundament unserer Gesellschaft gut. Dass man den biologischen Unterschied abstreiten möchte, ist, finde ich, völliger Quatsch. Es gibt nun mal Männer und Frauen. Mein Ansatz wäre, eher daran zu arbeiten, dass beide wirklich gleichberechtigt sind. Ich finde, es gibt so viele Baustellen in unserer Gesellschaft, wo sie das noch nicht sind. Und ich finde es wichtig, dass die Toleranz für Menschen wächst, die noch nicht wissen, welches Geschlecht sie haben.

 

Wie sieht in deiner Vorstellung die „Frau von heute“ aus? 

 

Frau zu sein heutzutage heißt volle Freiheit, würde ich sagen. Aber das kann zur Folge haben, dass man vielleicht die Orientierung verliert. 

Ich finde es schwierig. Ich sehne mich manchmal danach, eine Frau vor dreißig Jahren gewesen zu sein. Ich habe einige gescheiterte Beziehungen hinter mir. Und manchmal denke ich, wenn ich mich mehr angepasst hätte, wenn die Rollenverteilung klarer gewesen wäre, dann hätte die Beziehung vielleicht länger gehalten.

Ich finde es schwer, heutzutage eine Frau zu sein. Aber ich denke, dass es auch nicht einfacher ist, heutzutage Mann zu sein.

 

 

Was hältst du vom Kleidungsstil der Frauen heute?

 

Innerhalb Europas ist es von Kulturkreis zu Kulturkreis sehr unterschiedlich. Die deutsche Durchschnittsfrau putzt sich nicht raus. Sie war schon immer natürlich, bodenständig und fleißig. Nicht wie die italienische Frau zum Beispiel oder die Französin. Die deutsche Frau ist noch nie die Verführerin gewesen. Finde ich aber auch irgendwie schade. 

 

Die Frauen tragen heute zunehmend Unisex-Kleidung. Wie findest du genderless fashion? Findest du nicht, dass dadurch unsere Individualität verloren geht?

 

Ich fühle mich da nicht bedroht. Das Ziel der Emanzipation ist, dass alles geht. Und die Frau, die sich nicht weiblich kleiden möchte, ist genauso Frau wie die, die das liebt, in Kleidern und Röcken herumzulaufen. Und wir Frauen müssen es lernen, uns gegenseitig zu tolerieren und zu akzeptieren, so wie wir sind. Meine Mutter hat mir beigebracht, dass die Weiblichkeit nichts mit der Rocklänge zu tun hat.

 

 

Welche Medienperson ist für dich der Inbegriff der Weiblichkeit? Gibt es Frauen, die du bewunderst? 

 

Als Heranwachsende fand ich die alten Hollywoodstars aus den 50er und 60er Jahren ganz toll. Solche wie Audrey Hepburn oder Grace Kelly. Aus irgendeinem Grund mochte ich Marilyn Monroe nicht. Vielleicht war sie für mein Empfinden zu sexy und zu aufgesetzt. Obwohl ihr Schicksal sehr tragisch ist. Wobei ich ihre früheren Bilder, als sie noch Norma Jeane war und dunkle Haare hatte, ganz süß finde. Für mich stand schon immer ganz weit vorne eine gewisse Klasse und eine gewisse Natürlichkeit. Das ist mir sehr wichtig. 

 

Wen ich wirklich ganz toll finde, ist Jane Fonda. Die bewundere ich sehr. Die Frau erfüllt zwar sämtlichen Klischees, hat gescheiterte Beziehungen hinter sich, kämpft heute noch mit ihrer Essstörung, sie steht aber offen zu ihren Schwächen und gibt zum Beispiel offen zu, dass sie eine schlechte Mutter war. Sie trifft für ihr Alter mutige Entscheidungen. Das finde ich unheimlich beeindruckend. 

Seit ich ihre Biographie gelesen habe, hatte ich Momente im Leben, wo ich tatsächlich gedacht habe: „Mensch, wenn Jane das schafft, schaffst du es auch!“ 

 

 

Text: Jana Rat

Fotos: Maren Schabhüser

 

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